Wesermarathon 2003

... und Werralandrallye im Mai 2003

Wir Schleswig-Holsteiner haben zwar das große Los gezogen und wohnen da, wo andere Urlaub machen, aber dennoch lohnt es sich durchaus, hin und wieder mal das Land zwischen den Meeren zu verlassen und in die Tiefen Deutschlands südlich der Elbe vorzustoßen. Für uns Kanuten bietet das DKV-Sportprogramm dafür eine Fülle von Möglichkeiten, einmal das Hausgewässer vor`m Bootshaus zu verlassen und neue Gewässer zu erkunden. Zweifellos ein Klassiker im Sportprogramm stellen der Weser Marathon und die Werralandrallye dar. Bei diesen beiden Fahrten handelt es sich übrigens auch um meine persönlichen Favourieten und wenn es die Zeit zuläßt, versuche ich stets an diesen Touren teilzunehmen.

Weil diese beiden Flüsse leider nicht unbedingt direkt vor der Haustür liegen, ist es durchaus eine Überlegung wert, neben den beiden offiziellen Tourenangeboten am Samstag und am Sonntag noch weitere Fahrten in Eigenregie zu unternehmen und deshalb ein Paar Tage früher an zu reisen. Bärbel konnte ich für dieses Vorhaben schnell begeistern und so einigten wir uns, schon am Mittwoch gen Süden aufzubrechen. Unser Standort sollte der Campingplatz in Hannoversch Münden am Zusammenfluß von Werra und Fulda und dem Beginn der Weser sein. Um rechtzeitig vor Annahmeschluß auf dem Campingplatz um 22 Uhr einzutreffen waren wir gezwungen, mindestens viereinhalb Stunden vorher in Schleswig loszufahren.

Die Fahrt zur Weser

Um keine Zeit zu verlieren, holte ich Bärbel direkt an ihrem Arbeitsplatz ab. Da es zum Zeitpunkt der Abreise in Schleswig wie aus Kübeln goß, waren wir mit dem Verladen des restlichen Reisegepäckes besonders flott fertig. Glücklicher Weise hat Bärbels Chef ein Herz für seine Mitarbeiter und lieh uns für das Verladen einen besonders großen Regenschirm, aus diesem Grund wurden wir nicht all zu naß und konnten die 425 km bis nach Hann. Münden anschließend unter die Räder nehmen. Leider wollte der Regen nicht aufhören, und so waren wir gezwungen, entsprechend langsamer zu fahren. Noch lagen wir gut im Rennen und hatten bis nach Hamburg kaum Zeit verloren. Jetzt nur kein Stau vor`m Elbtunnel dachten wir und wähnten uns noch auf der sicheren Seite, bis plötzlich vor uns die ersten Bremslichter aufleuchteten und der Verkehr einen Augenblick Später zum Stehen kam. Eine gute dreiviertel Stunde hat uns der Stau gekostet und so langsam kamen in uns die ersten Zweifel auf, noch pünktlich anzukommen. Um kein unnötiges Risiko einzugehen, lehnte ich es ab, schneller als vertretbar zu fahren. Auf den letzten Kilometern hatten wir eigentlich nur noch die Uhr im Blick und mußten bei der Ankunft vor der verschlossenen Schranke des Campingplatzes enttäuscht feststellen, daß es bereits 22.20Uhr war. Kein Schwein mehr da, dachte ich beim Blick in das dunkle Empfangsgebäude. Zum Glück blieb unsere Ankunft doch nicht unbeobachtet und so bot sich die Gelegenheit, eine Schubkarre auszuleihen, mit der wir unser Gepäck auf den Campingplatz bringen konnten. Um nicht unnötig naß zu werden, geregnet hatte es heute schließlich genug, beeilten wir uns mit dem Zeltaufbau und waren nach zwanzig Minuten mit dem Aufbau und dem Einrichten der Zelte fertig. Kaum saßen wir in Bärbels Zelt und aßen noch ein wenig, fing es auch schon wieder an zu regnen.

Im Kajak von Witzenhausen bis Hann

Nach einer unruhigen ersten Nacht im Zelt emfping uns der erste Tag fern ab der Heimat mit strahlendem Sonnenschein und ließ uns das gestrige Unwetter während der Anreise fast vergessen. Nach einem gemütlichen Frühstück stimmten wir unser heutiges Paddelprogramm ab und einigten uns darauf, heute die Werra von Witzenhausen bis nach Hann. Münden zu paddeln. Gegen halb zehn wurden wir von Kurt-Werner, Max und Hubertuns mit samt unseren Booten abgeholt und waren so gegen kurz nach zehn in Witzenhausen, wo Hiltraud, Ingried und Werner uns empfingen.

Nach einer herzlichen Begrüßung ließen wir unsere Kajaks mit gegenseitiger Hilfe zu Wasser und freuten uns über die gute Strömung und die immer wieder schöne Landschaft des deutschen Mittelgebirges. An einer Schleuse, an der wir gezwungen waren, die Boote umzutragen, nutzten wir die Gelegenheit für eine Mittagspause. Unsere Stullendosen waren so gerade eben leer geworden und wir dachten eigentlich, man könne sich noch einen Augenblick in die Sonne legen, da zog wie aus dem Nichts eine Regenwolke über uns hinweg und zwang uns zu einem hektischen Aufbruch.

Die Geschichte mit dem Schwan

Schnell hatten wir dann aber wieder unseren Paddelrhythmus gefunden und zogen frohen Mutes dahin, bis wir an eine kleine Insel kamen, die genau in der Mitte des Flusses liegt. Urplötzlich erinnerte ich mich wieder an diesen Schwan, der jedes Jahr auf dieser winzigen Insel brütet. Es wird erzählt, dieses Tier habe in der Vergangenheit schon ganze Kajakzweier versenkt und deren Besatzungen einen gehörigen Schrecken eingejagt.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, diese Bestie ist zu allem fähig. Vor ein paar Jahren hatte es dieser Schwan nämlich auf mich abgesehen. Zuerst fauchte er mich nur an und meinte wohl, nun hau endlich ab du Scheißpaddler, ich dachte mir nichts weiter dabei und wollte eigentlich nur sehen, dass ich weiter komme. Anscheinend ging es dem Schwan wohl nicht schnell genug, denn plötzlich merkte ich wie er mein Kajak von hinten nicht unbedingt kraftlos anschob. Noch bevor ich mich umdrehen konnte um zu sehen, wie es nun weiter gehen sollte, krachte es dermaßen heftig, so dass auch mir ein gehöriger Schreck in die Glieder fuhr. Der hinter mir paddelnde berichtete anschließend der Schwan müsse mich wohl aufgrund meines weißen Bootes mit einem Artgenossen verwechselt haben und schlug kräftig mit einem Flügel auf mein Achterdeck. Ob es heute noch der selbe Schwan ist, ist schwer zu sagen, auf jeden Fall ist er nun friedlich und hat vielleicht eingesehen, daß wir Paddler ein friedliches Völkchen sind und ließ uns ohne Probleme passieren.

Ankunft in Hann. Münden

Nachmittags erreichten wir schließlich Hann. Münden und verabredeten uns noch für den kommenden Tag von Creuzburg bis nach Eschwege zu paddeln. Kaum waren wir auf dem Campingplatz angekommen, trafen Markus und Melanie aus Hamburg ein. Ruck zuck stellten die beiden deren Zelt auf und machten anschließend mit Bärbel und mir erst mal Kaffeepause. Die für morgen geplante Paddeltour fand auch bei ihnen Zustimmung. Der einzige Haken daran war nur, daß wir gezwungen waren rechtzeitig aufzustehen. Entsprechend früh ging es dafür heute auch schon ins Bett bzw. in die Schlafsäcke.

Von Creuzburg bis nach Eschwege

6.15 Uhr oder anders ausgedrückt, es ist viertel nach sechs. Mein Gott ist das früh und vor allem kalt heute morgen! Um nicht gleich in die kalte und klamme Kleidung steigen zu müssen raffte ich meine Klamotten zusammen und steckte sie mit in meinen warmen Schlafsack. Nach fünf Minuten hörte ich allerdings schon das erste Murren aus einem der Nachbarzelte, nun wurde es also auch für mich höchste Eisenbahn, in die Gänge zu kommen. Ungewöhnlich flott zu so einer frühen Stunde zog ich mich an und verließ mein Zelt. Reichlich verschlafen und zerzaust frühstückten wir, um anschließend um zwanzig nach sieben in die Autos zu steigen und nach Witzenhausen zu fahren.

Von hier aus fuhren wir mit insgesamt zehn Personen über Eschwege nach Creuzburg. In Creuzburg angekommen, ließen wir gleich unsere Boote zu Wasser und düsten los. Ich sage bewußt "düsten", weil der Fluß hier doch recht gut fließt und er es uns ermöglichte, ohne in Schweiß zu geraten, eine ansehnliche Paddelgeschwindigkeit zu erreichen. Hier und da waren wir gezwungen, die Boote umzutragen, was für uns und unsere beim Paddeln doch recht tatenlose Beine eine gute Abwechslung bedeutete. Kurz vor unserem heutigen Ziel, dem Kanuclub in Eschwege, kam noch ein mäßiger Gegenwind auf, der uns nach mittlerweile guten vierzig Kilometern ermahnte, nicht locker zu lassen. Als wir in Eschwege ankamen, sahen wir gleich zu, dass wir unsere Autos aus Creuzburg holten um dann wieder zurück nach Hann. Münden zu fahren.

Reichlich erledigt von der Fahrerrei, den fünfzig Paddelkilometern und dem frühen Aufstehen kamen wir schließlich wieder auf unserem Zeltplatz an. Die letzten Nachzügler aus Schleswig, es waren Andrea und Thomas, waren inzwischen auch eingetroffen und warteten schon in der Nachmittagssonne vor den Zelten auf uns. Schnell klarierten wir unseren Paddelkrempel und anschließend uns selbst unter der warmen aber natürlich, wie sollte es auf kleinkarierten deutschen Campingplätzen anders sein, kostenpflichtigen Dusche. Wohl riechend uns blitzeblank sackten wir nun endlich auf unsere mitgeschleppten Campingmöbel und mußten nun außer Essen und Trinken nichts aufregendes mehr machen. Nach einer anständigen Portion Nudelsalat, den Andrea spendierte und einem Gläsgen Kräuterschnaps, den Markus aus seinen Vorräten hervorzauberte, einigten wir uns noch auf eine Stadtbesichtigung und `n paar Kugeln Eis, sozusagen als Nachtisch hinterher.

Die Werralandrallye

Heute ist Samstag und die Werraland-rallye steht auf dem Programm. An das frühe Aufstehen sind wir ja mittlerweile gewöhnt und so sind wir heute wieder die ersten, die den Campingplatz verlassen, um von Eschwege nach Witzenhausen zu paddeln. Hätte ich mich nicht auf den letzen paar Metern verfahren, wären wir pünktlich um acht Uhr am vereinbarten Einsetzort in Eschwege eingetroffen. Nun hieß es also Beeilung und ab in die Boote, um gemeinsam lospaddeln zu können. Das Wetter war heute allenfalls Durchschnitt, besserte sich aber zum Nachmittag hin noch erheblich, so daß dieser Paddeltag auch wieder als gelungen angesehen werden durfte. In Witzenhausen angekommen, waren wir wieder dran, die Autos vom Startpunkt zu holen, um anschließend gemeinsam Kaffee trinken zu können. Paddeln und Autofahren, das sind die zwei Dinge, die auf einer Flußtour, wenn der Fluß nicht gerade im Kreis fließt, unweigerlich zusammengehören, und so waren wir nach einer kurzen aber Intensiven Ruhephase bei Kaffee und leckerstem Kuchen gezwungen die Fahrzeuge wieder zu versetzen. Glücklicherweise brauchte ich heute nicht mehr bis nach Holzminden zu fahren, denn bei optimaler Ausnutzung der Personen- und Bootsplätze in bzw. auf den Autos konnten wir meinen Wagen einsparen. Für den Weser-Marathon einigten wir uns, um sechs Uhr im Boot zu sitzen. Um so lange wie möglich schlafen zu können bereiteten wir die Boote und alles andere für den morgigen "Frühstart" vor und gingen, nachdem Markus und Thomas aus Holzminden zurück waren, gemeinsam Essen.

80 Kilometer auf der Weser - von Hannoversch Münden bis Holzminden

Achtzig Kilometer sind es heute, dies sind heute meine ersten Gedanken, die mir unmittelbar nach dem wachwerden durch die Kopf gehen. Muß das wirklich sein? Ja es muß, und jetzt raus aus dem molligen Schlafsack und rein in die kalte Paddelmontur. Damit vor dem Start um sechs keine Hektik aufkommt sind wir schon vor fünf aufgestanden um wenigsten noch ordentlich frühstücken zu können. Auf Toast mit Marmelade oder diesem anderen fast weltweit bekannten brauen Schmierkram möchte ich nämlich auf keinen Fall verzichten. Während wir noch aßen, berieten wir noch, wo man wohl am besten ins Boot steigen könnte. Aufgrund meiner Erfahrungen von zahlreichen früheren Veranstaltungen war ich davon überzeugt, gleich in unmittelbarer Nähe vor unseren Zelten ins Boot zu steigen. Der Weserpegel wies zwar nur einen nicht allzu hohen Wasserstand aus, aber dennoch war ich der Meinung, es wird schon gehen. Um es kurz vorweg zu nehmen, ich kam stressfrei und trockenen Fußes ins Boot und kam fast ohne Grundberührung nach einem kurzen Stück auf dem Weserzufluß Fulda zum Kilometer null zur Weser.

Jetzt hieß es erstmal auf die anderen warten. Ein wenig frustriert mußte ich jetzt bis halb sieben unzählige Paddler an mir vorbei ziehen lassen. Endlich tauchte der Rest von uns im Morgendunst auf und ich konnte endlich meinem aufgestauten Tatendrang freien Lauf lassen. Markus und Melanie waren schon vor zehn Minuten an mir vorbeigezogen. Wir einigten uns darauf, beim Kilometerstand dreißig eine Frühstückspause zu machen. Ungewöhnlich fitt fühlte ich mich heute und so ließ ich beim Paddeln auch nichts anbrennen und zog voll durch und hielt so lange bis ich Melanie und Markus in ihrem Zweier eingeholt hatte neben einem flotten, schlanken und sportlich besetztem Zweier auf gleicher Höhe mit. Zwischendurch merkte ich durchaus, daß die beiden mal versuchten mich im Regen stehen zu lassen, sämtliche Fluchtversuchen schlugen aber fehl. Nach ca. sieben Kilometern entdeckte ich dann Melanie und Markus und ab jetzt zogen wir mit einem erträglichen aber immernoch strammen Wandertempo die Weser hinunter.

Ruck zuck erreichten wir gegen neun die vereinbarte Pausenstelle für das Frühstück. Gut gestärkt ging es anschließend weiter bis nach Bewerungen zum Mittagessen und danach weiter bis zum Ziel nach Holzminden. Ausgepowert und fix und fertig freuten wir uns mal wieder die Weser hinunter gepaddelt zu sein und fuhren müde zurück nach Hannoversch Münden. Nach einer ausgiebigen Dusche und einer erholsamen Verschnaufpause gönnten wir es uns zum Schluß noch einmal Essen zu gehen, um den Tag anschließend bei Kerzenlicht vor dem Zelt ausklingen zu lassen, dem Morgen geht es ja schließlich wieder zurück nach Schleswig.

 

 

Text, Fotos: Lasse Montag

 

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