Schleswiger Kanu-Club Haithabu - Ostseefjord Schlei

Schwentine - Ostsee -Schlei

SOS-Gepäckfahrt

Urlaub ist doch immer etwas Schönes. Vor allem mit einer Kleingruppe zu verreisen, hat mir früher schon viel Spaß gemacht. So hatte ich bereits 2008 vor, mit Andreas, Werner und Matthias nach Schweden zu fahren. Doch kollidierte dieser Termin mit dem Wochenende der Schleiverbandsfahrt. Für 2009 trafen wir bessere Absprachen und so begann unsere Reise am 25. Juli 2009 in Redderkrug am Eutiner See.

Unsere Gruppe war recht überschaubar: Vom Verein nahmen lediglich Andreas Lange und ich teil. Diese Beteiligung war ja nun mehr als mau, zumal Andreas diesen Termin extra in die Ferien gelegt hatte! Nun gut, ganz allein waren wir dann doch nicht. Unsere Homepage hatte die Neugier anderer geweckt und so gesellten sich noch Wolfgang aus Hagen und Klaus aus Essen dazu. Damit war unsere Kleingruppe komplett und ich war schon am Überlegen, wie es wohl so sein wird: Allein unter Männern … ?

Über die Schwentine nach Plön

Tag Eins unserer Reise führte uns bei mäßigem Wind und viel Sonne entlang der Schwentine, über den Eutiner-, Keller-, Diek- und Behler See nach Plön. Mit Spannung begann ich, meine Reisegefährten kennen zu lernen. Wolfgang (Anfang 50) erzählte viel und gerne, Klaus (Mitte 60) war eher etwas still. Aber es lagen ja auch noch einige gemeinsame Tage vor uns und damit genügend Zeit, das eine oder andere zu erfahren.

Auf dem Kellersee trafen wir zwei Jugendliche, die mit dem Familien-Kanadier bei mittlerweile böigem Wind unerlaubt eine Spritztour unternahmen. Die besorgten Eltern hatten uns zuvor gebeten, nach den Ausreißern Ausschau zu halten. Die Jungs wirkten eher leicht belustigt als ängstlich, paddelten aber Richtung Campingplatz und wir weiter nach Plön, wo zwei Übernachtungen an der Ölmühle in Plön-Fegetasche geplant waren.

Der Abend verlief etwas anders als gedacht, denn gerade an diesem Abend fand das jährliche Sommerfest des WPF Plön statt. So genossen wir den Abend in gemütlicher Runde im Festzelt — draußen goss es in Strömen — bei Bier, Bratwurst und Musik.

Auf dem großen Plöner See

Am folgenden Tag lachte uns die Sonne entgegen und wir starteten zu einer Tagestour auf dem großen Plöner See. Andreas hatte einen Ausflug über Ascheberg nach Dersau angedacht. Doch wurde aus der kurzen Pause in Plön eine recht lange mit Schloss-Umrundung und ausgiebigem Mittagessen. Die Zeit schritt voran, Dersau hakten Andreas und ich gedanklich schon mal ab; wir sind ja schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Wieder in den Booten fuhren wir am Campingplatz Spitzenort vorbei gegen 4 Windstärken nach Ascheberg. Diese Wind- und Wellenbedingungen waren ausgezeichnet. Klaus und Wolfgang stellten ihr Können unter Beweis und schnell wurde klar, dass sie auf der Ostsee sicherlich keine Schwierigkeiten haben würden.

Im Gegensatz zu den beiden Jugendlichen, die wir ca. zwei Kilometer vor Ascheberg trafen. Sie saßen auf einem Surfbrett mit nur einem Stechpaddel. Abschlepphilfe lehnten sie dankend ab. Etwas später sahen wir, dass sie immer weiter abtrieben und letztlich im Wasser schwammen. Am Pausenplatz angekommen, baten wir eine Katamaran-Besatzung, nach den beiden zu sehen. Das war auch gut so, denn als der Katamaran sie an Bord nahm, waren sie bereits recht unterkühlt.

Es ist schon eigenartig, wie wenig umsichtig doch viele, viele Segler und auch Ausflugs-schiffe unterwegs sind. Durch ein Fernglas konnten wir beobachten, dass sich wirklich Niemand um die beiden kümmerte und so kann man sich lebhaft vorstellen, dass es immer wieder auf dem großen Plöner See zu Unglücken kommen kann.

Von über Preetz bis nach Klausdorf

Am nächsten Tag standen 30 km auf dem Programm. Wer die Schwentine-Wanderfahrt schon einmal mit gepaddelt ist, kennt diese Strecke: Plön-Preetz-Klausdorf. Kaum losgefahren, begegneten wir Karin und Jami Kruse. Die Welt ist doch klein …

Das Wetter war prächtig und unterwegs waren viele Wasservögel mit ihren Jungen zu beobachten. Der Tag verlief ruhig und harmonisch. Nur die 1,7 km lange Umtragestelle kurz vor Klausdorf barg so ihre Tücken — zumindest für den Bootswagen von Klaus, denn dieser Eigenbau quittierte unter der Last seines beladenen Bootes nach 300 m seinen Dienst durch Radbruch.

Nun hatte ich eine Stunde Pause am Tiergehege, während Klaus mit meinem Boot und den anderen Richtung Einsatzstelle entschwand. Als er eine knappe Stunde später wieder auftauchte — dieses mal mit einem funktionstüchigen Bootswagen, hatte ich ausgiebig Vögel und Eichhörnchen beobachtet und war vor lauter Langeweile schon halb eingeschlafen. Der Spaziergang machte munter und wir erreichten mit einiger Verspätung Klausdorf.

Da sich auf der unteren Zeltwiese ganz offensichtlich eine Schar von Gänsen mehr als wohl fühlte, schlugen wir die Zelte weiter oben in der Nähe der Feuerstelle auf — gerade rechtzeitig bevor der große Regen einsetzte. Gott sei Dank gab es einen schönen Unterstand, wohin wir mit Kochern und Stirnlampen (es war mittlerweile dunkel) flüchten konnten.

Ein wenig gewundert hatte ich mich über die Stille des Tages, langsam dämmerte mir auch der mögliche Grund. Im Schein der Taschenlampen sah Wolfgang mehr als blass aus. Eine schlimme Magenverstimmung machte ihm das Essen madig. In der Bootsapotheke wurde ich fündig und konnte ihm ein wenig weiterhelfen.

Von Klausdorf über Kiel nach Surendorf

Am nächsten Morgen hatte er sich Nachschub besorgt und sah besser aus. Er konnte auch schon wieder lachen und so ging die Reise weiter über Kiel und Strande nach Surendorf. Wieder 30 km, die sich recht abenteuerlich gestalteten.

Die erste Herausforderung bestand in der Kanurutsche in Kiel. Von Kieler Paddlern wussten wir, dass man die Bürstenanlage auch ohne auszusteigen hervorragend überwinden konnte. Wir beschlossen, unseren Fahrtenleiter voran zu schicken. Schließlich habe er ja ein PE-Boot – im Gegensatz zu uns. Nachdem Andreas unten in einem Stück und unversehrt angekommen war und zudem auch noch ganz beglückt aussah, tat ich es ihm gleich. Mit einem breiten Grinsen rauschte ich hinab. Eine Entenfamilie konnte mir noch gerade rechtzeitig ausweichen und so war alles gut. Wolfgang und Klaus treidelten lieber. Nach kurzer Zeit ging es dann vereint bei unbeständigem und schauerlichem Wetter weiter. Die Kieler Förde mit ihrem dunklen Wasser und den großen Schiffen war für uns alle recht aufregend. Klaus war bei dem Kabbelwasser mit seinem Eski kaum noch zu sehen – so schnell paddelte er, um da raus zukommen. Irgendwann hatten wir ihn wieder eingeholt und gemeinsam konnten wir hinter einem riesigen Tanker die Förde zum Leuchtturm Friedrichsort queren. Dort kam auch die Sonne zum Vorschein und die Welt wirkte freundlicher.

Nach einer zweistündigen Pause in Strande bei Pommes und einem Mega-Eis hatte ich leichte Probleme, wieder in die Gänge zu kommen. Doch bald hatte mich die Ostsee mit ihren Wellen ganz in ihren Bann gezogen und wir fuhren vorbei an wunderschönen Steilküsten und Seeschwalben Richtung Eckernförder Bucht.

Die Sandstrände zu Beginn der Bucht sahen verlockend aus. Ob wir dort einfach die Zelte aufschlagen und den Tag bei einem wärmenden Lagerfeuer ausklingen lassen sollten? Nein, der Campingplatz schien doch legaler und so steuerten wir Surendorf an.

Wer kennt das nicht: der wohlverdiente Lagerplatz ist erreicht. Im Geiste sitzt man schon vor dem fertig eingerichteten Zelt und brutzelt etwas Leckeres auf dem Trangia. Dieses Bild sollte noch auf sich warten lassen. Nach einer leicht umständlichen Anmeldung vier schwere Boote über den breiten Strand und den schrägen Weg hoch geschleppt, auf die Bootswagen verladen, die lange Strecke zur Zeltwiese und über diese bis zum persönlichen Zeltplatz gerollert … Ich sage euch: Ich war selten so platt! Aber keiner wollte sein Boot unten liegen lassen. Und dann: zwei Jugendgruppen. Hier gibt es sicher solche und solche, doch gehörten diese leider zur anderen Fraktion. Kurz: es wurde eine ausgedehnte Partynacht!

Bis nach Schleimünde

Irgendwann war es auch dank Andreas endlich still. Gedanklich hatte ich mich schon mit dem Thema Ausschlafen im Urlaub auseinander gesetzt, doch machte mir mein Wecker um 6.30 Uhr wieder einen Strich durch die Rechnung. Also aufstehen, schnell zusammen packen aber in aller Ruhe mit Andreas, Wolfgang und Klaus frühstücken. Das war uns allen wichtig und das fand ich persönlich sehr schön. Auch wenn jeden Tag ein beträchtliches Stück zu paddeln war, hatte ich nie das Gefühl, dass es irgendwo Stress gab oder irgendjemand rum hetzte. Überhaupt waren wir eine sehr homogene Gruppe. Wir achteten aufeinander, fuhren ein gutes Tempo und blieben auf dem Wasser immer zusammen.

Durch die Tragegurte von Wolfgang waren die Boote gut zu händeln. Bei Ententeichbedingungen ging es nach der Party-Nacht quer über die Eckernförder Bucht sieben Km nach Waabs und dann weiter nach Damp, wo wir ausgiebig pausierten und frische Lebensmittel einkauften. Gegen 17 Uhr erreichten wir Schleimünde. Der Wind sollte drehen und es war Sturm angesagt, aber erst für den nächsten Tag. Da konnten wir abends nach einem Besuch in der Giftbude noch ein schönes Lagerfeuer entfachen und gemütlich den Tag beenden.

Sturm auf Schleimünde und eine Exkursion ins Naturschutzgebiet

Der folgende Tag hatte es in sich. Aus der geplanten Tagestour nach Falshöft wurde nichts, denn er kam — der Sturm. Nach kurzer Diskussion wurden die Zelte von Wolfgang und Klaus gedreht und mein eigenes versetzt. Kaum lagen zusätzlich Steine auf den Heringen, ging es auch schon los. Sturmböen durchsetzt mit heftigen Schauern. Da wollte Niemand mehr freiwillig paddeln. Doch Langeweile gab es nicht. Die Ausflugsschiffe luden turnusgemäß Touristen ab, die uns, wenn auch unauffällig, ausgiebig begafften.

Ein glücklicher Zufall ließ Andreas, Klaus und mich an einer interessanten Vogelführung teilnehmen. Der Sturm pustete uns ordentlich durch und wir konnten uns lebhaft vorstellen, wie das alte Lotsenhaus zur damaligen Zeit Opfer der Naturgewalten wurde.

Abends beruhigte sich das Wetter und ich wollte unbedingt noch raus auf die Ostsee. Schließlich ging es um den 1000. km für die Saison. So paddelten Andreas, Kai und ich noch einmal los. Kai hatten wir mit seiner Freundin tags zuvor kennen gelernt. Sie waren mit ihren Kajaks von Olpenitz rüber gekommen. Der Freundin ging es leider nicht so gut. Sie war morgens samt Boot mit dem Ausflugsschiff nach Kappeln gefahren. Nun war Kai (Sportlehrer Ende 50) auf sich selbst gestellt und suchte bei uns Anschluss.

Die Abendrunde bis Oehe war atemberaubend schön. Im Licht der untergehenden Sonne war die See ganz ruhig und alles wirkte friedlich.

Bivak bei Büstorf

Der Siebente Tag unserer Reise war dann doch nicht so ruhig. Wind aus West der Stärke vier. Für uns alte Hasen bzw. Häsin kein Problem, nur Kai fiel immer wieder zurück. Irgendwann wurde es uns zu bunt und wir schleppten ihn bis Kappeln, von wo aus er es dann bis Arnis ganz gut allein schaffte. Er war einfach nicht im Training. Für uns als Gruppe war es natürlich nicht so schön. Wir hätten ihn einfach zu Beginn nach Olpenitz begleiten sollen. Nun hatten wir uns anders entschieden. Die Pause wurde ein wenig länger. Das hatte zwei Vorteile. Zum einen konnten wir einer kurzweiligen Familienzusammenführung beiwohnen. Tanja und Mads besuchten Andreas. Zum anderen nahm der Wind weiter ab — zum Glück für Kai. Gegen 17 Uhr fuhren wir weiter Richtung Lindaunis. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Campingplatz erreichten wir noch vor Sonnenuntergang das kleine Buchenwäldchen bei Büstorf, das malerisch gelegen, etwas erhöht auf einem Steilufer eine herrliche Möglichkeit bot, wild zu zelten. Vielleicht nicht ganz legal, doch für diesen Abend einfach hervorragend.

In geselliger Runde bei Kerzenschein wollte niemand so recht ins Bett. Doch irgendwann erlischt auch die schönste Kerze.

Der Letzte Reisetag

Unser letzter Reisetag brach an und zu fünft paddelten wir vergnügt die Schlei entlang bis Borgwedel. Hier inspizierten wir die alte Ziegelei, bevor die letzten sieben Km absolviert wurden. Glücklich, gesund und ein wenig wehmütig erreichten wir das Bootshaus des SKC Schleswig.

Acht Tage mit 181 Km lagen hinter uns – gespickt von vielen schönen Erlebnissen und faszinierenden Eindrücken. Das alles dank der sorgfältigen Planung und tollen Organisation von Andreas! Auch Tanja gilt ein großes Dankeschön. Schließlich hat sie Andreas eine Woche frei gegeben und sich somit alleine um Mads gekümmert. Außerdem kann sie klasse Kuchen backen. So einer erwartete uns bei unserer Rückkehr und abends gingen wir dann noch alle zusammen essen, diesmal — ganz zivilisiert.

 

Text:  Bärbel Johansen - Fotos: Andreas Lange

 

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