Pfungstädter Kanuwoche vom 8.-16. Mai 1999

19. Rheinleistungsfahrt - 24. Internationalen Rhein - und Altrheinfahrt
31.Kanu -Rallye "Rund um den Kühkopf"

Hochwasser

Die beliebte diesjährige Pfungstädter Kanuwoche fand unter völlig veränderten Bedingungen statt, denn der Rhein bot ein "Jahrhundert-Hochwasser" mit allen Konsequenzen. Der Schleswiger Kanuclub war mit 8 Personen vor Ort vertreten. Die 19. Rheinleistungsfahrt (133 km) am 9. Mai musste verkürzt (40 km weniger) gefahren werden, da ab Iffezheim aus wasserschutz- polizeilichen Anordnungen kein Start mehr möglich war. Umfahren zu dem nördlicheren Einsatzort, um bei bestem Wetter die 93 km zu absolvieren. Eine sehr schöne Fahrt! Pegelstand Worms 351 cm gemessen morgens 6 Uhr.

Ingrid und Hans Bosy meisterten die Strecke bravourös und hatten somit diese traditionsreiche Fahrt zum 10. Mal bestritten, erhielten jeder dafür einen Pokal. Hans Bosy bekam außerdem einen Pokal als ältester Teilnehmer. Eine wahrhaft meisterliche Leistung!

Der Campingplatz unter Wasser

Der Vorstand der Paddelabteilung des TSV Pfungstadt stand eng mit der Wasserschutzpolizei in Verbindung, um ständig die aktuellsten Pegelstände und eventuelle Fahrverbote zu erhalten. Der vereinseigene Campingplatz, sehr schön direkt am Alt-Rhein gelegen, zeigte am 13. Mai morgens an der tiefsten Stelle bereits Überschwemmung, so dass Wohnwagen von dort evakuiert werden mußten. Pegel Worms 397 cm.

Ein Teil der Schleswiger Kanuten zog am 13. Mai abends um in einen großen Garten, den ein Pfungstädter Kanute selbstverständlich zur Verfügung stellte. Das Gartenhaus bot Waschgelegenheit und WC. Zwei Schleswiger und ca. 25 andere Kanuten reisten ab. Weitere Kanuten wurden auf dem Marktplatz und beim Darmstädter Kanuverein in Erfelden untergebracht. Der große lauschige Garten hatte für sieben Wohnwagen Platz und man rückte zusammen, denn ein Thema herrschte vor: das ständig steigende Hochwasser!

Bootshaus unter Wasser

Als wir am Abend des 14. Mai von einer Teilstrecke der 3-Tagesfahrt mit insgesamt 200 Paddelkilometern heimkehrten, stand das Gelände ums Bootshaus völlig unter Wasser. Ein letztes Mal zum Duschen, dabei waten durch knietiefes Wasser bis zum Sanitärgebäude. Ab dann ging nichts mehr, denn das Wasser stand bereits im Gebäude. Pegel Worms 582 cm.

Die Organisatoren der Paddelabteilung des TSV Pfungstadt sind in jedem Jahr mit so einer riesigen Einsatzfreude (einige nehmen eine Woche Urlaub) dabei, um zum guten Gelingen der neuntägigen Veranstaltung und der Zufriedenheit der Gäste beizutragen. Kurz entschlossen wurde ein Kanadierpendelverkehr hinüber zum Bootshaus eingerichtet, der jeden begeisterte! Jugendliche des Vereins übernahmen bis spät in den Abend den Bootstransfer reibungslos. Zudem sind die Verantwortlichen der Paddelabteilnug jedes Jahr sehr auf das leibliche Wohl ihrer Gäste bedacht. So wurde jegliches Essen und Trinken per Boot hinübergeschafft, ob zum abendlichen Grillen, gemütlichen Beisammensein oder zum Kuchenbüffet. Es herrschte eine ausgesprochen gute Stimmung unter allen zahlreich angereisten Kanuten und wir freuten uns einmal mehr über die außerordentlich vorbildliche Organisation in dieser für den Verein sehr kritischen Situation. Nichts wurde dem Zufall überlassen - alles bestens geregelt! So ein Engagement seitens der Vereinsmitglieder ist schon bemerkenswert und könnte auch anderenorts in den Vereinen Schule machen.

Das Wasser steigt und steigt

Tatsache blieb, das Hochwasser stieg unentwegt. Während der 3-Tagestour auf dem Rheinabschnitt Bootshaus -Geisenheimkonnten wir in Wiesbaden an der Rheinuferpromenade gerade noch fast trockenen Fußes in herrlicher Sonne auf der Bank Pause machen. Anderentags Streckenänderung, wegen des ständig steigenden Hochwassers, passierten wir die gleiche Stelle. Jetzt konnten wir per Kajak auf die Rasenflächen des Wiesbadener Parks fahren und die dort vorhandenen Bänke nur auf der Lehne sitzend benutzen!

Am Samstag, 15. Mai fand im Bootshaus ein großer gemeinsamer Abend statt. Selbst der Diskjockey mit seinem Instrumentarium und wir alle kamen wieder per Bootstransfer, der allerbestens klappte bis in die Nacht. Es war ein herrlich gemütlicher Abend mit viel Klönschnack und Gedankenaustausch. Den Abschluß der Veranstaltung bildet am Sonntag stets die bewährte Tour "Rund um den Kühkopf" auf dem Altrhein abwärts bis zur Mündung in den schiffbaren Rhein. 6 km gegen den Strom bis zur Südspitze des Kühkopfes, wieder in den Erfelder Altrhein bis zum Bootshaus = 22 km. Mittlerweile war das Hochwasser derart gestiegen, dass wir die Kanuten auf dem Rhein durch das riesige Naturschutzgebiet "Kühkopf" hindurch sehen konnten, zu normalen Wasserständen völlig unmöglich. Beim Heimkommen von der Fahrt "Rund um den Kühkopf"waren nur noch 3 von 8 Stufen hinauf ins Bootshaus sichtbar. Beim Sanitärteil des Bootshauses stand das Wasser jetzt bis Höhe Türdrücker, die Kellertür war fast nicht mehr sichtbar. Pegel Worms 637 cm.

Ein schrecklicher, erschütternder Anblick bei der Vorstellung, dass dieses Sanitärgebäude gerade zum Veranstaltungsbeginn durch die Eigenleistung der Vereinsmitglieder fertiggestellt wurde.

Wir kommen wieder

Nach dem Imbiss im Bootshaus und der Siegerehrung verabschiedeten sich die Kanuten und traten die Heimreise im Bewusstsein an, eine herrliche Veranstaltung mitgemacht zu haben, trotz so widriger naturbedingter Ereignisse. Und das Wasser steigt immer noch. Den Organisatoren der Paddelabteilung des TSV Pfungstadt, den Vereinsmitgliedern und deren mithelfenden Familienangehörigen gebührt ein ganz großes Lob und ein dickes Dankeschön für so eine herausragende ehrenamtliche Leistung. Die Schleswiger Kanuten erhielten bei dieser Veranstaltung den Wanderpokal 5. Mannschafts-preis und den Wanderpokal für die weiteste Anreise zum zweiten Mal. Ein Wanderpokal geht in den Besitz über, wenn er 3 mal hintereinander oder 5 mal außerder Reihe erworben wird.

Im Jahre 2000 reizt uns wieder die Pungstädter Kanuwoche

 

Text, Fotos: Hiltraud Erichsen

 

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