Kajaktour von Kiel nach Lübeck

von Lasse Hansen und Lukas Hohn im April/Mai 2014

Tag 1

Hier sitzen wir nun. Bei Bier, Musik, Chicken Wings und guter Laune. Wir genießen regelrecht das bequeme Leben mit all seinen Vorzügen. Morgens warm duschen, ein gemütliches Bett, was man nicht immer extra aufbauen muss, frische TK-Kost aus dem Backofen… einfach herrlich. Aber immer wieder schwärmen wir von unseren Erlebnissen der letzten Tour von Kiel nach Lübeck. So vieles erinnert an Momente der Tour. Aber von vorne. Gestartet sind wir am 24.04.2014 in Schleswig. Da Lukas noch arbeiten musste haben wir uns abends um 22.00 Uhr am Verein getroffen und nach einer kleiner Bastelei am Kajak die Boote verladen. Da Lukas noch ein paar Kleinigkeiten zuhause vergessen hatte, sind wir noch fix nach Groß Rheide gedüst. Um 23.30 Uhr ging es dann endlich voller Vorfreude los nach Kiel. Im Kieler Kanu Klub angekommen, fanden wir schnell den hinterlegten Schlüssel (vielen Dank an den KKK dafür) und räumten das Auto leer.

„Die ganzen Sachen sollen in das kleine Kajak?“...

Nach einigen lustigen Stunden des Packens, hatten wir um 3.00 Uhr die Kajaks endlich gepackt. Da wir noch kein Stück münde waren, entschieden wir uns dem Berufsverkehr zu entgehen und noch an diesem Morgen nach Lübeck zu fahren.

In Lübeck angekommen, suchten wir einen geeigneten Parkplatz. Am Lübecker Kanu Klub störten wir zwei Verliebte, weshalb wir uns einen anderen Parkplatz suchten. In der Nähe des Lübecker Runder Clubs fanden wir einen Parkplatz (in Lübeck gar nicht so einfach) und konnten uns um 5.00 Uhr morgens endlich noch für ein paar Minuten hinlegen.

Tag 2

„Aufgewacht mit Nackenstarre und Rückenschmerzen“… die Nacht im Skoda Fabia war leider doch nicht sonderlich bequem. Schnell die Zähne geputzt, beim nächsten Supermarkt vorbei und ein „leckeres“ Frühstück gegönnt und ab zum Treffpunkt.

Wir haben uns für diese Tour überlegt, mit der Mitfahrzentrale nach Kiel zu fahren. Nachdem wir Mirco gefunden hatten, ging es direkt zurück. Er war so nett, uns am Exerzierplatz rauszulassen und wir besorgten noch einige Kleinigkeiten im Outdoor-Laden.

„MITTAGSTISCH 6,50 € – da müssen wir hin!“ Endlich ein ordentliches Frühstück. Es war zwar schon 10.45 Uhr und chinesisches Buffet ist auch nicht das perfekte Frühstück, aber der Magen verlangte nach Nahrung! Als Startschuss für die Tour gab es ein leckeres Bier (wer weiß, wie lange man kein Bier mehr bekommt). Die Wirtin spendierte uns noch einen leckeren Schnaps und wir strahlten vollste Zufriedenheit aus.

Wieder beim KKK angekommen stellten wir fest, dass unser Zelt nicht mehr unterzubringen war. Nach langem hin und her entschieden wir uns, das Zelt von Lasse nachliefern zu lassen.

Also trödelten wir noch ein wenig im KKK, bis wir das andere Zelt hatten.

Um 17.00 Uhr waren die Kajaks endlich fertig gepackt und wir konnten starten. Zwischen Fähren und bei leichtem Wind aus Ost paddelten wir noch einige Kilometer die Förde hoch bis kurz hinter Laboe. Dort fanden wir einen geschützten Platz am Strand. Es dauerte nicht lang, bis das Nachtlager aufgeschlagen, und wir in unsere Schlafsäcke gefallen waren.

Tag 3

Am nächsten Tag lächelte uns die Sonne an. Nach ausgiebigem Frühstück starteten wir in Richtung Süden. Schon nach kurzer Zeit meldete sich schon wieder der Magen. HUNGER! Kurzfristig stopften wir das Loch mit Fleisch und Knödeln frisch vom Trangia. Die Blicke der Passanten ließen darauf schließe, dass in der Nähe etwas außergewöhnliches passiert sein musste, außer uns konnten wir allerdings nichts entdecken.

Gegen Abend hatten wir leider etwas Schwierigkeiten einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Nach erfolglosem Aussteigen fanden wir dann doch einen super schönen Schlafplatz, direkt an einem Bach, den wir dann gleich für ein erfrischendes Badevergnügen nutzen.

Tag 4

Am vierten Tag sind wir endlich mal früher aus den Daunen gekommen. Um 11.00 Uhr waren wir auf dem Wasser. Nach einigen Paddelkilometern meldete sich mal wieder der Magen. Da wir uns im Schussgebiet Todendorf befanden, musste Lukas einhalten und wir mussten noch einige Kilometer überwinden bis wir endlich eine Pausenstelle fanden. Nach 5 Snickers, einer halben Edelsalami und 3 Liter weniger Flüssigkeit im Körper ging es wieder ab in die Kajaks und entlang der Tonnenreihe Richtung Weißenhäuser Strand. Wir wunderten uns über die skurrile Betonnung in der Hochwachter Bucht, die absolut nicht mit der Seekarte übereinstimmte. Gegen Abend suchten wir uns ein lauschiges Plätzchen an der Steilküste in der Hohwachter Bucht. Wir erkundeten die Gegend und stiefelten durch einige blühende Rapsfelder im Umland.

Nach Abendbrot und Lagerfeuer stopften wir unsere Schlafsäcke in die Biwaksäcke und legten uns bald schlafen. Mit einem herrlichen Blick auf die Hohwachter Bucht und Lagerfeuer an den Füßen schliefen wir bald ein.

Tag 5

Nach einer herrlichen Nacht am Wasser und einem misslungenen Pfannkuchen-Frühstück, gönnten wir uns ein leckeres Frühstück am Imbiss „alte Liebe“. So konnten wir gut gestärkt gegen Mittag aufs Wasser und in Richtung Heiligenhafen starten. An dem Tag hatten wir mit ordentlich Gegenwind zu kämpfen. Doch das Spielen gegen die Wellen brachte etwas Abwechslung. Am späten Nachmittag entschieden wir uns, eine kleine Pause einzulegen. An einem der vielen Campingplätze an der Ostsee machten wir eine kleine Pause und verschlangen ein/zwei Packungen Butterkekse mit Nutella.

Scheinbar sahen wir so fertig aus, dass uns direkt ein Bier angeboten wurde. Daraus wurde schnell ein Plausch über unsere Tour und wir wurden gleich auf frisch gefangenen Dorsch mit Kartoffeln und Tomatensalat eingeladen. Vielen Dank dafür!

Uns wurde auch gleich ein Nachtlager angeboten, doch wir entschieden uns noch die restlichen 4-5 km nach Heiligenhafen zu paddeln und machten uns auf den Weg. In Heiligenhafen angekommen suchten wir die in der Karte eingetragene Umtragestelle. Leider war das Verbindungsstück zum Binnensee mit einer heimtückischen Betonkante kurz unter der Wasseroberfläche für uns versperrt.

Da es nun schon später Abend war und nur noch die Kopflampen Licht spendeten, standen wir vor einem kleinen Problem. Versuche, die Kajaks ohne unser Körpergewicht über die Kante zu heben, scheiterten. Also entschieden wir uns, die Kajaks an der steilen Steinkante aus dem Wasser zu heben und erneut umzutragen.

Das Stück bis zum nächsten Steg war locker 200 - 300 m zu weit für unsere ausgelaugten Körper. Drei Passanten unterbrachen ihren abendlichen Spaziergang, um uns bei der Schlepperei zu unterstützen. Spontan haben wir auf dem Gelände der Segelschule Marlecke übernachtet und das abendliche Bad im Binnensee durfte natürlich auch nicht fehlen.

Tag 6

Am nächsten Morgen wurden wir von den Mitarbeitern der Segelschule geweckt. Beim Abwasch des abendlichen Geschirrs begrüßte uns Axel ganz freundlich. Axel war direkt aufgeschlossen und interessierte sich für unsere Tour. Als er sah, dass wir unser Geschirr im Salzwasser des Binnensees abwuschen, lachte er kurz und bot uns Herd, Toilette und Kaffee an. Wir nutzen dies und füllten unsere Wasservorräte gründlich auf, kochten Tee und besorgten noch einige Kleinigkeiten.

Wir halfen ihm noch einige Boote aus dem Winterschlaf zu befreien und machten uns nach einer gemeinsamen Tasse Kaffee gegen 16.00 Uhr auf den Weg nach Fehmarn.

Bei Sonnenschein und wenig Wind ging es in Richtung Flügge.

Tag 7

Von Flügge sollte es weiter gehen in Richtung Puttgarden. Die Sonne lächelte uns aus vollen Zügen ins Gesicht und wir waren froh, das wir uns in Heiligenhafen reichlich mit Sonnencreme eingedeckt hatten. Das Wasser um Fehmarn war glasklar, dass man etwas karibisches Feeling bekam. Nach kurzer Pause am Markelsdorfer Huk ging es direkt weiter. Am Horizont die kleinen Fähren die im 30 Minuten Rhythmus zwischen Puttgarden und Rødby hin und her pendeln, immer im Blick ging es zum Fähranleger.

Abends machten wir noch einen kleinen Spaziergang zum Anleger, um dort eine Dusche zu ergattern. Leider mussten wir mit einer Bahnhofs Toilette in traumhafter Edelstahloptik vorlieb nehmen.

Tag 8

Heute sollte es wieder in Richtung Festland gehen. Das Staber Huk war schnell erreicht und das Wetter war einfach 1A für die direkte Querung nach Großen Brode. Nach knapp drei Stunden sind wir in einer perfekten Linie kurz hinter Großen Brode angekommen.

Tag 9

„Oh, haben wir Wind. Kommt der Wind aus der richtigen Richtung? Lukas, Lukas, aufstehen… ich kann heute Segeln!“

Am nächsten morgen meinte der Wind es gut mit mir (Lasse), denn er kam direkt aus Nord/Nord-Ost und ich hatte ideale Bedienungen, um das neue Segel zu testen.

Lukas musste etwas mehr paddeln, ich musste eigentlich nur den Kurs halten. In Dahme gab es zur Stärkung ein Fischbrötchen und es ging in vollen Zügen in Richtung Lübecker Bucht weiter. Eigentlich hatten wir geplant bis zum Markanten Betonturm in Rettin zu paddeln, doch fanden wir kurz hinter Grömitz einen wirklich schönen Platz.

Direkt am Strand konnten wir nicht übernachten, da das Wasser immer höher kam und wir keine nassen Füße riskieren wollten.

Also schleppten wir mit vereinten Kräften die Boote einen kleinen Weg die Steilküste hinauf und legten uns direkt an einen Wanderweg. Da unser Spiritus leider zu neige ging, entschlossen wir uns kurzerhand auf einem Lagerfeuer zu kochen und tingelten zum nächsten Campingplatz um vielleicht etwas Spiritus nachkaufen zu können. Dort bekamen wir von zwei wirklich netten Campern heißes Wasser und Bier, sodass wir auf Spiritus verzichten konnten.

Tag 10

Der erste Blick ging morgens direkt über die Steilküste auf die Ostsee. Der Wind war kräftig und kam aus Ost/Nord-Ost. Wir packten schnell unsere Sachen und stürzten uns in die zunächst noch moderaten Wellen. Doch die Steife Brise aus Nord-Ost türmte die Wellen schnell auf Brecher von 2 - 2,5 m auf.

In Travemünde war zu der Zeit grade Hafenfest. Wir wurden mit Live Musik und Menschenmassen begrüßt, wobei letzteres nicht unsere Vorliebe ist. Wir suchten im Fischereihafen einen geeigneten Platz wo wir unser Nachtlager aufschlagen konnten und auf dem WoMo Stellplatz wurden wir fündig. Vielen Dank! Beim Boote schleppen wurden wir direkt gefragt, ob wir nicht in einem alten Fischwagen schlafen wollen.

Er war so nett und lud uns nach einer gründlichen Dusche zu Currywurst Pommes mit Bier ein. Da wurden wir mal wieder richtig satt! Wir machten noch eine große Runde durch Travemünde und legten uns dann auch bald schlafen.

Tag 11

Dies sollte unser letzter Tourentag sein. Wir kamen früh aus den Federn, frühstückten maritim mit einem leckeren Krabbenbrötchen und erkundeten Travemünde erneut mit dem GPS. Endlich auf dem Wasser schauten wir uns die riesigen Pötte auf der Trave an. Leider kam auf das Klopfen keine Antwort bei der Finnlines Fähre.

Nach einigen Kilometern auf der Trave mit gelegentlichen Surfeinlagen auf Heckwellen der Yachtbesitzer fanden wir ein nettes Ehepaar, das uns direkt ein Seil rüber warf. Somit konnten wir viel Zeit gut machen und erreichten Lübeck so schon gegen 18.00 Uhr – und ein netter Plausch und der Geschmack von Diesel war direkt inklusive!

Im Großen und Ganzen eine wirklich schöne Tour. Die Biwaksäcke haben wir auf dieser Tour das erste mal intensiver genutzt und sind richtige Freunde geworden. Tolle Teile! Das Wetter war auch super, so das wir gut gebräunt nach Hause kamen.

 

OMS-Karte mit Paddelstrecke von Kiel nach Lübeck
Paddelstrecke von Kiel nach Lübeck (Kartenmaterial: OpenStreetMap)

 

Text und Fotos: Lasse Hansen und Lukas Hohn

siehe auch www.horizontsucht.de/?page_id=25

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