Schleswiger Kanu-Club am Ostseefjord Schlei

Der "hitzige" A-Kurs auf Spiekeroog

Nun ist es nach längerer Vorbereitung (Einbauen unserer elektrischen Lenzpumpen und theoretische Vorbereitung anhand der Ausbildungsmappe) endlich soweit: wir kommen am Hafen von Neuharlingersiel an und sind gespannt, ob schon andere Kursteilnehmer da sind. Vorsichtshalber hatten wir genug zeitlichen Spielraum eingeplant, um auch in Ruhe das Gepäck und die Ausrüstung zu sortieren. Es waren auch schon einige Kajakfahrer da. Vielleicht hatten alle ähnliche Überlegungen angestellt.

Die Kajaks beladen

Es ist für mich immer wieder eine Überraschung, was alles verstaut werden kann. Jedes mal entsteht doch wieder eine etwas andere Packordnung, trotz allem Bemühen ein System beizubehalten. Wir wollten natürlich nichts auf Deck transportieren Schließlich nehmen wir am A-Kurs teil. So hatten wir auf unser geliebtes Tarp verzichtet — es wird schon nicht so heiß werden und wahrscheinlich werden wir gar nicht die Zeit haben, um uns darunter im Schatten auszuruhen. Und schließlich wollten wir uns an das minimalistische Packen gewöhnen, obwohl wir doch gerne ein Stück Outdoor-Luxus genießen.

Alle machten sich recht zügig an das Beladen der Kajaks. Dabei schielte ich immer wieder mal nach Rechts oder Links, um einen Eindruck zu gewinnen, was die Anderen denn wohl so mitnehmen. Danach gönnten wir uns erstmal ein Eis.

Als alle Teilnehmer fertig gerüstet da standen, packten Hakola und Andreas in Windeseile ihre selbstgebauten Inuit-Kajaks und nahmen sogar ein Tarp mit.

Paddeln nach Spiekeroog

Dann ging es auf das Wasser. Die Abendstimmung auf der Nordsee war beeindruckend schön. Wir paddelten entlang des Leitdammes, und es sauste ein Motorsportboot vorbei. Wir fuhren recht eng nebeneinander. Ich geriet zwischen zwei Pricken und durfte zum ersten Mal die Sogwirkung kennenlernen. Daraus freigepaddelt ging es weiter entlang der Wattkante.

Wir kamen am Zeltplatz auf Spiekeroog an und nach dem Aufbauen setzten wir uns in eine gemütliche Begrüßungsrunde zusammen. Ich bekam den Eindruck, dass alles sehr menschlich, nett und kompetent von Hakola und Michael zusammen mit den B-Schein Anwärtern Trenk und Thomas gestaltet wird.

Trainieren der Paddel- und Sicherheitstechniken

Am folgenden Tag ging es auf und in das Wasser. Vormittags optimierten wir unsere Rettungstechniken, denn Wiederholungen spielen dabei nun mal eine sehr große Rolle. Dabei wurden wir immer wieder von neugierigen Seehunden aus sicherer Distanz mit ihren großen Kulleraugen beobachtet. Mir wurde bewusst, dass wohl jeder so seine eigene Vorliebe für bestimmte Wiedereinstiegsmethoden hat und alles deutlich situationsabhängig zu nehmen ist.

Nachmittags wurden die Paddeltechniken erklärt, gezeigt, zunächst im Trockenem geprobt und dann im Wasser geübt.

Am späten Nachmittag und abends erfolgten zwei theoretische Unterrichtsblöcke unter freiem Himmel mit Blick auf die Nordsee und Langeoog.

Von Tag zu Tag wurde es immer wärmer. Nach und nach schälten sich die meisten Teilnehmer aus ihren Trockenanzügen und griffen zu Sommerpaddelbekleidung von Neopren, Aquashell, bis Funktionsbekleidung.

Tour nach Langeoog

Am zweiten Tag wurde ein mehrstündiger Ausflug nach Langeoog unternommen. Auf der Tour kippte hier und da mal ein Kanute einfach so ins Wasser und wurde aus der nassen Situation fachmännisch gerettet. Wir führten Kreuzpeilungen und Kursbestimmungen durch und wurden zu den Seezeichen befragt. Die vorher erarbeitete Theorie bekam immer mehr Praxisbezug.

Wir machten eine wohltuende Pause auf Langeoog in dem Café der Meierei. Andere haben ein erfrischendes Bad in der Nordsee genossen.

Die Sonne brannte mittlerweile erbarmungslos, so dass wir am späten Nachmittag die Theorie in dem Rettungshaus fortsetzten. Für den Samstag wurde eine Tages-Tour rund Langeoog über die Ostspitze Baltrums vorbereitet.

Bei diesem A-Kurs ging es eindeutig um Wärmeschutz (also den Schutz vor der Wärme). Also trinke ich, was die Wasserleitungen hergaben. Danach wartete ich auf den Sonnenuntergang, damit es endlich kühler werden konnte. Die Stimmung auf der Düne war sehr schön, und da war dann doch ein Gefühl von Urlaub zu spüren.

Rund um Langeoog

Wir starteten am kommenden Morgen um 9 Uhr und die hitzige Tour begann mit nettem Rückenwind. Auf dem Weg nach Baltrum konnten wir noch eine kleine Brandungszone genießen.

Nach einer einstündigen Pause auf der Ostspitze von Baltrum ging es weiter zum Hafen von Langeoog. Auf dem Weg dorthin lernten wir zusätzliche Schlepptechniken kennen. Endlich angekommen konnten wir uns kulinarisch im Café verpflegen. Viel Eis stand für mich auf dem Plan. Denn ich konnte mich aufgrund einer kürzlich vergangenen Nierenbeckenentzündung noch nicht so recht von meinem Trockenanzug trennen. Und wer konnte es schon so genau wissen, ob man nicht doch noch intensiven Wasserkontakt haben sollte, um seine ganzen Künste zu zeigen. Sicher ist sicher. Schließlich befand ich mich auf dem A-Kurs und konnte jederzeit geprüft werden. Nun habe ich dadurch für mich den Beweis, dass der Trockenanzug vermutlich nur unter sehr extremen Bedingungen eine evtl. Überhitzungsgefahr darstellen könnte. Wahrscheinlich unter einer 40 Grad Käseglocke mit starker körperlicher Dauerbelastung.

Am Zeltplatz angekommen stürzten wir unter die kalten Duschen und machten uns an die erfrischende Bionade aus dem Kiosk von Lars ran.

Nach dem letzten theoretischen Unterricht zog am späten Abend ein starkes Gewitter über das Festland. Wir konnten das Himmels- Schauspiel ohne einen Tropfen Regen vom Zelt aus sicher genießen.

Der Letzte Tag des Kurses

Nun kam der Sonntag und somit der letzte Tag des A-Kurses. Ich konnte durch einige kurze Gespräche erahnen, dass sich auch andere Gedanken machten, ob man nun bestanden hat, und die seemännischen Fähigkeiten für die Basisververmittlung im Seekajakfahren ausreichen würden. Es lag also noch eine gewisse Spannung in der Luft. Und ich konnte immer noch nicht die Finger von meinem Trockenanzug lassen, denn schließlich ging es nochmal raus zur Ansteuerungstonne. Roswita und ich hatten die Aufgabe die Gruppe zur Ansteuerungstonne zu führen und den Kurs zu bestimmen. Trenk hat uns dabei begleitet.

Die Fahrt entlang an der Fahrwassertonnengrenze war sehr spannend. Die Wellen zeigten sich viel langgesteckter und hoben mich hoch und runter, wie ich es von Dünungswellen kannte. An der Tonne angekommen machten wir das Gruppenabschlußfoto, und es ging für eine kurze Pause zurück zum Strand des Campingplatzes. Dort gab Hakola bekannt, dass er allen gratulieren möchte. Ich hatte den Eindruck Steine plumsen zu hören. Mein Stein war mit dabei.

Nun ging es ab zum Hafen von Neuharlingersiel. Nach dem Beladen der Autos saßen wir noch alle gemeinsam zusammen mit Kaffee, Kuchen und Eis.

 

Text: Helga Matzpreiksch - Fotos (2007): Helga Matzpreiksch, Jan Montag, Kai Wullkopf

 

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